Mitbestimmung im Rampenlicht

Kita Ferdinand-Lassalle-Straße und Jugendwerk erhalten Kinder- Jugendrechtepreis 2025

Kreative Ideen, echte Mitbestimmung und starke Rechte für junge Menschen: Am Donnerstag, dem 19. Februar 2026, wurde in der Freizeitstätte Lehe-Treff der Kinder- und Jugendrechtepreis der Stadt Bremerhaven verliehen. Unter den vier Preisträgern ist die AWO Bremerhaven gleich doppelt vertreten. Sowohl die Kita Ferdinand-Lassalle-Straße als auch das Kreisjugendwerk wurden für ihre Projekte ausgezeichnet. Während die Kita die Jury durch ihr gelebtes Kinderparlament und die konsequente Einbeziehung der Jüngsten überzeugte, punktete das Jugendwerk mit einem durch die Jugendlichen vollständig selbstorganisierten Umbau des Gruppenraumes.

 

Demokratie am runden Tisch: Das Kinderparlament der Kita Ferdinand-Lassalle-Straße

Demokratie fängt im Kleinen an – doch in der Kita Ferdinand-Lassalle-Straße der AWO Bremerhaven wird sie bereits groß gelebt. Alles begann im November 2025: „Während die Kinder bei uns im Büro spielten, entstanden viele Gespräche über Dinge, die sie verändern oder verbessern möchten. Uns war schnell klar: Diese Impulse brauchen einen festen Rahmen, um wirklich Gewicht zu bekommen“, erklärt Einrichtungsleitung Margarita Gerdt. Gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Nadine Schmidt gründete sie daraufhin das Kinderparlament.

Jeden Freitag wird es „offiziell“: Das Gremium, bestehend aus vier bis sechs Kindern, trifft sich im Büro der Kita-Leitung. Auf den „großen Stühlen“ der Erwachsenen fühlen sich die jungen Abgeordneten sichtlich wohl. Die Sitzung folgt einer klaren Struktur: Jedes Kind trägt sich in eine Anwesenheitsliste ein oder malt sein persönliches Symbol. Themen werden gemeinsam festgehalten, diskutiert und schließlich demokratisch abgestimmt. Die Ergebnisse werden protokolliert und in einem Ordner in der Eingangshalle für alle Kinder und Eltern zugänglich gemacht.

Besonders wichtig ist dem Team, dass alle Kinder die Chance zur Teilnahme erhalten. Neben festen Mitgliedern werden auch zurückhaltendere Kinder gezielt eingeladen. „Auch wer wenig sagt, darf dabei sein. Manche Kinder brauchen einfach Zeit – und die bekommen sie“, so die Leitung. Der Effekt auf die Kinder ist beeindruckend: Sie erleben täglich, dass ihre Meinung zählt. Ein Kind bringt es selbstbewusst auf den Punkt: „Wir sagen, was wir wollen, und die Erwachsenen müssen denken, was sie damit machen “. Ein anderes ergänzt schlicht: „Hier darf ich entscheiden.“

Wie ernst die Partizipation genommen wird, zeigte sich kürzlich bei einer ganz besonderen Entscheidung. Auf der Tagesordnung stand die Verwendung des Preisgeldes in Höhe von 450 Euro. Während das Leitungsteam vielleicht eigene Vorstellungen im Kopf hatte, setzten die Kinder ihre Prioritäten ganz anders: Sie stimmten für neues, besonderes Geschirr – verziert mit Pferden, Traktoren, Einhörnern, Hubschraubern und Prinzessinnen. Ein klarer Sieg für die Basisdemokratie, dem sich das Leitungsteam gerne geschlagen gibt.

„Unser Raum, unsere Regeln“: Jugendliche gestalten Raum im Jugendwerk neu

Es begann mit einer ganz alltäglichen Diskussion: Wer räumt eigentlich auf? In den offenen Treffen des Kreisjugendwerks der AWO Bremerhaven wurde schnell klar: Der „Chill-Raum“ in der oberen Etage war zwar beliebt, doch Gemütlichkeit und echte Identifikation fehlten. Nachdem die Mädchen veraltete Rollenbilder beim Thema Sauberkeit kritisierten, konterten die Jungs mit einer Idee: „Wie wäre es, wenn hier etwas Neues entsteht – mit ganz neuen Regeln?“

Gesagt, getan. Zehn Jungen im Alter von 13 bis 18 Jahren wurden zu Planern und Managern: Eigenständig handelten sie ein Budget mit dem Jugendwerksvorstand aus und organisierten ein Sofa über einen Tauschring. Per WhatsApp-Abstimmung wurde die gesamte Gruppe bei Farbwahl und Design einbezogen. Dann wurde angepackt: Wände wurden gestrichen, Fotocollagen erstellt und der neue Sofatisch eigenhändig zusammengebaut.

Mehr als nur vier Wände

Für viele der Jugendlichen, die oft Fluchterfahrungen oder schwierige Alltage bewältigen, ist dieser Raum heute ein wichtiger „Safe Space“. Hier wird über die Zukunft und Perspektiven gesprochen, aber auch auf der Darbuka getrommelt, Hip-Hop getanzt und gefeiert. Das Projekt hat das soziale Gefüge nachhaltig verändert: Die Jungen ernten Anerkennung statt Kritik und achten nun selbst aktiv auf die Raumpflege – ganz ohne Geschlechterklischees. „Es ist jetzt viel mehr unser Raum“, fasst einer der Jugendlichen das Ergebnis zusammen.

Was mit dem Preisgeld von 450 Euro passiert, ist noch offen. Ob Eisarena, Jumphouse oder Bowling – eines ist sicher: Die Jugendlichen werden diese Entscheidung, wie alles in ihrem Raum, gemeinsam treffen.

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